Im Kindergartenalter lieben die Kinder rhythmische Geschichten, also Geschichten, in denen derselbe Sachverhalt immer wieder wiederholt und erweitert wird, z.B. „Das Rübchen“ oder zum Schluß in umgekehrter Reihenfolge wieder aufgelöst wird. Die Geschichten regen die Gedächtnisleistung enorm an, ohne es einseitig intellektuell zu belasten. Denn kleine Kinder lernen nicht durch logische Zusammenhänge, sondern durch Rhythmus und Klang. In früheren Kulturen, wurden in dieser Form Legenden und Mythen erzählt und von einer Generation an die andere weitergereicht. Das Kind durchläuft in seiner Lernentwicklung die Stadien früherer Menschheitsepochen.

Wann erzählt man sinnvollerweise Märchen? Die eigentliche Zeit des Märchenerzählens umfaßt die Altersspanne von fünf bis acht Jahren. In den Märchen werden innere Entwicklungswege, geistige Wahrheiten zum seelischen Miterleben gebracht. Dazu muß das Kind eine gewisse Reife erreicht haben, um diese Inhalte aufnehmen zu können. Das Kindergartenkind ist damit oft noch überfordert

Märchen

Der Märchenkreis ist meist die Abschlußrunde im Kindergarten. Man setzt sich gemütlich im Stuhlkreis zusammen, singt Lieder, und die KindergärtnerIn erzählt eine Geschichte oder ein kleines Märchen. Es wird über einen Zeitraum von 3-4 Wochen die gleiche Geschichte erzählt. Die Kinder leben sich dadurch in den Inhalt ein und genießen die Wiederholung.

Den Satz von Bruno Bettelheim „Kinder brauchen Märchen“ könnte man abwandeln in „Kinder brauchen Verse, Geschichten und Märchen“. Bei den ganz Kleinen erlebt man ihre Faszination von Fingerspielen und Kniereitern. Dabei kommt es nicht so sehr auf den Inhalt des Textes als vielmehr auf seine rhythmische Gestaltung an.

 

Rhythmus im Tages- und Jahresverlauf

Das Kind braucht für seine gesunde Entwicklung Rhythmus und Wiederholung. Es ist eingebunden in die Kreisläufe der Natur, die sich im Tag-/Nachtrhythmus und in den Jahreszeiten zeigen. Deshalb achten wir auf einen geregelten Tagesablauf, in dem das Kind zwischen Wach- und Schlafzeiten und im Wachsein zwischen aktiven und eher passiven Zeiten wechselt. Jeder Tag im Waldorfkindergarten gliedert sich in Zeiten, in denen die Kinder ganz aus ihren eigenen Kräften tätig sind – Freispiel drinnen und draussen – und Zeiten, in denen sie durch die KindergärtnerIn konkret angeregt werden – im Reigen und im Märchenkreis. So findet ein Atmungsvorgang statt: Einatmen, also Phasen des Innehaltens, Aufnehmens wechseln mit Ausatmen, Phasen des Ausströmens, nach außen Agierens ab. Jeder Tag bekommt so seinen Rhythmus.

Jeder Wochentag hat einen kleinen Höhepunkt. Es werden jeden Tag bestimmte Aktivitäten und ein bestimmtes Frühstück angeboten, zum Beispiel: Montag – Wachskneten und Milchreis, Dienstag – Eurythmie und Rohkost mit Knäckebrot, Mittwoch – Brotbacken und Hirsebrei, Donnerstag – Wasserfarbenmalen und Vollkornbrot, Freitag – Wandern und Müsli. So bekommt die Woche eine Struktur, die den Kindern Sicherheit und eine Orientierungshilfe gibt. („Noch zweimal Wassermaltag, dann hast du Geburtstag.“)

Die Wochen stehen wiederum unter dem Zeichen der Jahreszeiten und der Jahresfeste. Am Wechsel der Jahreszeiten erleben die Kinder die Vorgänge in der Natur in lebendiger und tiefer Weise. Sie spüren die unterschiedlichen Stimmungen im Jahreslauf: Frühling – Erwachen des Lebens und Aufbruch, Sommer – Fülle und Lebenskraft, Herbst – Ernte und Einkehr, Winter – Ruhe und Innerlichkeit. Entsprechend der Jahreszeit wird im Kindergarten der Jahreszeitentisch gestaltet.

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